Gitarrentage 2011

Es menschelt stark am Griffbrett

 

„Jammern auf hohem Niveau”: Was die Macher der 15. Schorndorfer Gitarrentage im Vorfeld so sagen.
Mehr noch als Greifbares - das bundesweite Renommee, die Dozenten von Ruf, die ausgebuchten Workshops - zeichnet die Schorndorfer Gitarrentage etwas anderes aus: dass es menschelt. So auch in einem Gespräch mit den Veranstaltern Dieter Seelow (künstlerischer Leiter), Herbert Federsel (Organisation) und Alexa Heyder (Geschäftsführerin Kulturforum)

Es war kein leichtes Jahr für die 15. Gitarrentage. Nach dem Weggang des Kulturforum-Geschäftsführers Siegfried Dittler, sozusagen "Mr. Gitarrentage", blieb der Posten über Monate vakant, bis sich Dittlers Nachfolgerin Alexa Heyder einarbeiten konnte. Herbert Federsel, Dittlers Partner, musste lange alles alleine schultern: Pressearbeit, Organisation, Werbung. Überwiegend in Fachmagazinen oder im Internet machte das Festival auf sich aufmerksam, in der Szene und bundesweit.

Dafür zu wenig, wie mancher meint, in der Stadt. Das alte Dilemma: Bei den Gitarrentagen spielt ein schwer angesagter Blueser, Leute aus der weiteren Region kommen, aber die Schorndorfer bleiben weg. Vor allem Dieter Seelow, als Chef des Jazzclubs Session 88 ein wichtiger Kulturforum-Partner, ärgert sich: "Ich wünschte mir mehr Wertschätzung etwa von Gemeinderäten, die sich bei Konzerten kaum mal blicken lassen." Fahnen in der Stadt, wie früher, wären in diesem Jahr leider nicht möglich, weil in Schorndorf wegen des Sportfestes und des Dueville-Partnertreffens überall schon bunte Fahnen wehen. Seelow würde sich über mehr "sichtbare Zeichen", etwa in den Schorndorfer Läden, freuen.

Hiesige kommen eher nicht, dafür umso mehr Auswärtige
Freilich: "Wir jammern auf hohem Niveau", so Alexa Heyder. "Hiesige mögen nicht kommen, dafür umso mehr Auswärtige." Federsel sieht’s ähnlich, auch wenn er beklagt, dass die flankierende Kneipennacht, einst zusätzliches Angebot, diesmal nicht stattfinden könne, weil zu wenig Unterstützung von den Wirten gekommen sei. Aber er betont die "Nachhaltigkeit" des Festivals, die Verwurzelung in der Region, obwohl "die Perspektive weiträumig, Mobilität mit einbezogen ist".

Immerhin stammten 30 Prozent der Workshop-Teilnehmer aus dem Kreis, mehr als 25 Prozent unter 20 Jahre alt. Zudem seien zahlreiche Projekte aus den Gitarrentagen heraus entstanden, zuletzt etwa das Duo des jungen Gitarristen Jan Roth, das im Arnold-Areal ein Nachmittagskonzert gab, oder die Ausstellung von Bluesharps, Zubehör und Musikerfotos, die Mason Dabbag in der Manukneipe zeigt.

Die Zahlen und Statistiken erzählen ohnehin eine Erfolgsgeschichte, wie wir sie von den Gitarrentagen kennen: zehn längst ausgebuchte Workshops (nach zuletzt acht) mit dem Schwerpunkt elektrische Instrumente und über 140 Teilnehmer aus der gesamten BRD, Holland, USA (Tuscaloosa), zweimal England. Neu bei den 15. Gitarrentagen: ein prominenter Songwriter-Dozent, nämlich der Kohlenpott-Dylan Stoppok, ferner erstmalig ein Tagesworkshop "Bluesharp für Einsteiger" von Didi Neumann (Federsel: "Da werden die Bluesgitarren-Schüler reinschnuppern, weil sie zu dem Zeitpunkt grad frei haben") und ein Cajon-Miniworkshop von Martin Röttger für die Kinder der Tagesstätte Augustenstraße. "Die würden eh das Trommeln hören und Interesse verspüren", so die Veranstalter über ein Angebot, das typisch für das Festival sein dürfte.

Hier kann, hier darf Menschlich-Allzumenschliches passieren. Zum Beispiel, dass eine Musikerin, wie damals Joanna Connor, einen Babysitter braucht, weil sie kurz vor dem Festival Mutter wurde.

Wie lassen sie es menscheln? Federsel: "Wir schauen uns die Musiker und Dozenten lange an, gucken, ob es stimmt mit der Chemie untereinander." Heyder: "Wir nehmen die Musiker ernst. Sie spüren, dass es uns Spaß macht." Seelow: "Wir sorgen dafür, dass bei Gesprächen immer Süßigkeiten auf dem Tisch stehen. Und dass jeder pünktlich sein Geld bekommt."

Schorndorfer Nachrichten, 14.5.2008, Michael Riediger

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