Gitarrentage 2011

Eine Band backen



„Eins zwei, Test, Test!” – einer der zahlreichen Workshops bei den 17. Schorndorfer Gitarrentagen will Jugendlichen beibringen, wie man eine Band professionell vermarkten kann.
Ich blicke dem Workshop-Leiter Wolfgang Schmid über die Schulter. Er ist selbst Bassist in der Band "Passport". Der Bereich Jazzrock und Fusion ist seine Heimat. Auch als Produzent und Komponist ist er erfolgreich. Indes kümmern sich freiwillige Helfer um den Kabelsalat, den Aufbau der Instrumente. Irgendwann gibt es doch Verwirrung: Welches Kabel gehört zu welchem Mikrofon?

Diese Frage überfordert erst einmal die meisten Teilnehmer, die sich zum Workshop angemeldet haben. Aber letztlich geht es ja auch um Wichtigeres: Sie erhoffen sich Chancen, von möglichen Connections im Musikbusiness profitieren zu können. Michael nimmt bereits zum dritten Mal an einem Workshop im Rahmen der Gitarrentage teil, ganz gleich ob Jazz- oder Bluesgitarre. Michael lässt die Gitarre an diesem Tag aber eingepackt. Er soll nämlich in die Tasten des Keyboards hauen. Michael ist im Übrigen sehr erfahren, was das Thema Bandgründung anbelangt. Momentan sucht er händeringend nach Leuten, die ebenfalls Lust haben, gemeinsam die Wände wackeln zu lassen.

Wolfgang Schmid meldet sich zu Wort und macht erste Titelvorschläge, was gespielt werden soll. Auf dem Tisch neben an türmen sich stapelweise Noten. Zum Eingrooven hält so mancher Klassiker von Frank Sinatra her. "Wer jetzt gehen möchte, kann es noch tun. Jetzt wo er weiß, was auf ihn zukommt", witzelt Schmid. Doch gehen will natürlich keiner. Ziel des Nachmittages ist es, die eine einstudierte Darbietungen beim Abschlusskonzert "Nacht der 101 Gitarren" zu präsentieren.

Nach dem Soundcheck kann es losgehen. Der Schlagzeuger hinten in der Ecke kann seine Drumsticks nicht mehr ruhig halten. Er steckt alle anderen mit dem Rhythmus an, den er vorgibt. „Mach uns so richtig fertig“, fordert Wolfgang Schmid dem Drummer ab. Erst wenige Minuten sind die Teilnehmer zusammen in einem Raum. Obwohl sie sich davor nicht wirklich kannten, sind sie innerhalb kürzester Zeit zu einer Einheit geworden. Mal wieder wird mir klar: Musik verbindet. Für ein Miteinander bedarf es mehr als nur Worte.

Der richtige Ton ist ausschlaggebend für wachsende Symphatien. Alle sind höchst konzentriert und in ihrer eigenen Welt von Riffs und Grooves versunken. Nur ein kleines Kaffeepäuschen kann die Teilnehmer für einen kurzen Moment zurück in die Realität katapultieren. Dann stürzen sie sich wieder in die Musik.

Stuttgarter Nachrichten, 10.6.2011, Pia Ulbrich

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